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E

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F

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Felix Philipp Ingold

Haupts Werk. Das Leben

«Um Autor zu werden, muss Haupt sich selbst ins Werk setzen; schreibend – und der Welt entgleitend – versichert sich eines Vermögens, das nicht das seine ist: fremdes Talent, da er, irr vor Lebensfreude, schleunigst vertut.»

Mit «Haupts Werk» legte der vielerorts bereits als Literaturwissenschaftler und Übersetzer tätige Felix Philipp Ingold 1984 seinen zweiten Prosaband vor. Wie der – als anklingendes ‹Hauptwerk› subtil vermessene – Titel schon vermuten lässt, bietet das Buch eine (im besten Sinne des Wortes) kopf-lastige, will heissen: anspruchsvolle Lektüre. Es ist kein Roman, kein durchgehendes Narrativ, was geboten wird, sondern fragmentarische – typographisch oft durch Auslassungspunkte (...) indizierte – Reflexions- und Gedankenprosa, strukturell in der Nachfolge von Aufzeichnungsliteraten wie Ludwig Hohl, dem – neben zahlreichen weiteren Exponenten der Weltliteratur – gleich mehrfach die Reverenz erwiesen wird. «Haupts Werk» besticht nicht zuletzt auch durch die schiere Belesenheit seines Autors.
Ein nicht unwichtiger Einfluss dürfte gewiss auch Paul Valéry und seine, ebenfalls erwähnte Figur «Monsieur Teste» gewesen sein, in dessen Namen auf Französisch («tête») nicht von ungefähr derjenige Haupts schon anklingt. Wie Teste so kann auch Haupt als Alter Ego seines Autors verstanden werden, loten viele der Aufzeichnungen doch just die diffuse Grauzone zwischen lebensweltlicher und literarischer Wirklichkeit aus – eine Art offene Ontologie, die anderweitig auch im Zentrum von Ingolds literaturtheoretischen Interessen steht. Hier aber erprobt der Autor das komplexe – und für seine Arbeit generell leitende – Bedingungsgefüge von Leben und Werk auf experimentelle Schreibweise: Die versammelten Aufzeichnungen, Szenen, Gedichte und Skizzen umkreisen die Osmose zwischen erschriebener und erfahrener Realität nicht nur gedanklich, sondern führen sie auch im Vollzug des Schreibens selbst vor, das sich auf der steten Suche nach der Identität von Haupt, seinem literarischen Status wie dem Status der Literatur über-haupt befindet. Die Figur Haupts fungiert dabei mehr als Denk-Figur, an der sich zentrale poetologische Kernthemen des Autors kristallisieren, die um das Wechselverhältnis von Eigenem und Fremdem im literarischen Werk und der ihr zugeschriebenen Autorinstanz kursieren.

«Haupts Werk» gehört zu den im Buch emphatisch geforderten Büchern, «welche man nicht durchliest; aber häufig aufschlägt». Es ist eine wahre metapoetische Fundgrube. Wer Literatur nicht einfach nur konsumieren, sondern auch über ihre epistemologischen Bedingungen nachdenken will, kommt an Ingolds scharfsinnigen Beobachtungen und Reflexionen nicht vorbei. Belohnt wird der aufmerksame Leser mit so manchem Gedankenblitz und Aperçu. So findet sich mitten im Buch auch eine der – gerade auch in ihrer paradoxen Formulierung – vielleicht pointiertesten Definitionen von Literatur, verstanden als Recht «beim Schreiben der Wahrheit zu lügen».

(Magnus Wieland)

Hanser Verlag, München / Wien 1984

ISBN: 3-446-14003-4

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